Pop aus vollem Herzen
Pop aus vollem Herzen
Debütkonzert der „Gilde des Guten Geschmacks“
Die Gilde des Guten Geschmacks debütierte in der Pegnitzbühne mit optimistischem Deutsch-Pop.
Ein gut gewählter Name ist oft schon die halbe Miete: Wenn sich eine Band „Die Gilde des Guten Geschmacks“ nennt, dann scheint es ihr zumindest nicht an Humor und Selbstbewußtsein zu mangeln. Dass das Quartett bei seinem Debüt-Konzert in Nürnbergs knuffeligstem, öffentlichen Wohnzimmer, der Pegnitzbühne, auch musikalisch zu überzeugen wusste, verwundert nicht, wenn man die Vorgeschichte der Nürnberger kennt.
Sänger und Gitarrist Sale, Gitarrist Daniel Corriger, Bassist Sebastian „Zab“ Baumann und Drummer Swen Demel waren die Backing-Band des ins Berliner Exil ausgewanderten Nürnberger Trash-Poppers Börnd Nützl. Doch die Distanz zwischen Franken und Preußen erwies sich bald als zu groß, um weiter ernsthaft zusammen arbeiten zu können. Der Spaß am gemeinsamen musizieren blieb auch ohne Börnd, und schon bald hatte die einstige Begleitcombo ihr eigenes Profil. Kein Wunder: Texter und Hauptsongschreiber Sasa Batnozic hat unter seinem Spitznamen $ale, der auchNamensgeber für sein gleichnamiges, mittlerweile aufgelöstes Trio war, in den letzten Jahren mit intelligentem, unkonventionellem Deutschpop auf sich aufmerksam gemacht. Vom grüblerischen, stets leicht verkopften $ale-Sound ist bei der Gilde allerdings nur noch wenig zu spüren. Vielmehr verschreibt man sich mit voller Inbrunst der Klarheit, der Einfachheit, dem Spaß, dem Pop. Zum Auftakt gibt es mit „Musiker de Luxe Leben“ eine gute Portion selbstironischen Midtempo-Bluesrock in bester Stoppok-Manier, so locker wie ihn Musiker bringen, die über ihre eigenen Rockstar-Illusionen mittlerweile herzlich lachen können.
Funk, Soul, Roots-Rock bis hin zu Dancehall und purem Pop scheinen im Laufe des Abends durch die Songs, die vom alltäglichen berichten, manchmal nur knapp am Trivialen vorbei schrammen, aber stets aus vollem Herzen das Mensch-sein feiern:
„Lebe Liebe“ singen sie zum brodelnden Funk ihres „Buggi Wuggi“ und das Publikum stimmt dankbar ein. Manchmal ist mit zwei Worten alles gesagt.
Nürnberger Nachrichten 13.09.2010 Peter Gruner
